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Erlebnisorte im Museum I: Deutsches Museum

Eintrag vom: 29.07.2012 | von: Basti | in: Bildung, Erlebniswelten

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„Das Boot fanden wir beeindruckend. Man hat sofort das Gefühl, auf einem echten Boot zu sein – allein druch die Atmosphäre und die Geräusche“, sagt mir eine Kollege letztens im Deutschen Museum.

Das Deutsche Museum ist das größte naturwissenschaftlich-technische Museum der Welt. Gegründet wurde es von Oskar von Miller, der das bildungsorientierte Mitmachprinzip prägte: Die Besucher, darunter auch Laien, sollten durch Exploration die Welt der Naturwissenschaft kennen lernen.

Dabei vollführt das Deutsche Museum zwangsweise einen gewissen Spagat: Einerseits können sich Interessierte durchaus im Detail über viele Aspekte der gezeigten erkundigen – sei es durch die zahlreichen (kostenlosen) Führungen oder durch Details an Schautafeln oder Bildschirmen. Andererseits bietet das Deutsche Museum so viel zu sehen, dass Besucher sich ab einem bestimmten Zeitpunkt zwangsweise zum Durchgangs-Gast entwickeln. So ist es schwierig, auf Dauer die Aufmerksamkeit des Gastes oben zu halten. Am Ende wird doch irgendwie mehr geguckt als gehört – so ist zumindest das Gefühl. Nichtsdesto trotz erklärt das Museum, teilweise in seit Jahren etwas eingestaubtem Schuldeutsch, die einzelnen Phänomene dem manchmal sichtlich ermatteten Publikum – sei es nun bei der Starkstrom-Präsentation oder der Bergwerks-Führung.

Video

(Auf das Bild klicken für ein paar exemplarische Videoaufnahmen aus dem Deutschen Museum mit dem Schwerpunkt der Bergwerksführung)

Die oben genannte Aussage meines Kollegen macht dabei aber eines deutlich: Hängen bleibt am Ende der Eindruck, die Präsentation, das Erlebnis. Und genau hier scheiden sich beim Museum häufig die Geister. Ist das Museum nun die von Oskar von Miller definierte Fortbildungsstätte, sozusagen die Ergänzung des Bibliotheksbesuches, der durch den Experimentcharakter wie eines Deutschen Museums sozusagen einen bildungspolitischen Grundversorgungsauftrag erfüllt?

Oder ist es vielmehr ein Erlebnisort, dessen Aufgabe es nicht mehr ist, alles im Detail zu erklären, sondern vielmehr die Neugierde für bestimmte Sachverhalte zu wecken? Vertiefende Studien sind heute dank Internet in den meisten Fällen selbst zu Hause kein Problem mehr. Die Aufmerksamkeitsspannen der Besucher sind es wohl durchaus. Nur wenige werden sich bei den Führungen die Erklärungen im Detail merken können.

Umso wichtiger wird in Zukunft der schnelle Zugang zum Besucher sein – ein Aspekt, den beispielsweise Themenparks längst erkannt haben: Je stringenter und perfekter die Präsentation ist, desto mehr geht der Besucher in ihr auf, desto weniger lässt er sich von anderen Einflüssen ablenken. Man spricht von Immersion. Manche mögen das als rigorose Beeinflussung definieren. Andererseits ist es der Garant dafür, möglichst viele Leute für das Thema abzuholen und nicht gleich bei der ersten, oftmals trockenen Führung, zu verlieren. Ein spannendes Umfeld sollte sozusagen die Grundvoraussetzung einer jeden erlebnisorientierten Museumsdidaktik sein.

Das Deutsche Museum liegt in diesem Aspekt irgendwo zwischen Anspruch und Realität. Einige Ausstellungen sind absolut als Erlebnisorte definiert. Es wird mit Beleuchtung, Tunnels und Geräuschkulisse gearbeitet. Nicht ohne Grund dürfte das riesige Bergwerk (siehe Video) ein der Höhepunkte für viele Besucher sein. Andere Bereiche wiederum verkommen zu einer sehr großen und manchmal uninspierten Exponatensschau. Es wird sich zeigen, ob das Deutsche Museum hier sukzessive Modernisierungen einpflegen wird, denn an wirklich kreativen Ideen für Besucherführung, Dramaturgie und Präsentation mangelt es im gros derzeit noch etwas.

Das Thema „Erlebnis im Museum“ wird in diesem Blog in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder thematisiert werden. Gleich morgen folgt mit dem Münchner Stadtmuseum ein Beispiel für ein unerwartet gelungenes Immersions-Konzept (was möglicherweise aber auch dem sehr speziellen Thema der „Schaustellerei“ geschuldet ist, das sozusagen auch als Stiefkind jeder Immersion angesehen werden könnte).