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Vier gegen Willi

Eintrag vom: 11.06.2010 | von: Basti | in: Medien

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Schon lange bin ich auf der Suche nach Folgen der Samstagabendshow „Vier gegen Willi„. Episoden davon aufzutreiben ist scheinbar fast schon ein Ding der Unmöglichkeit, dabei hat die von 1986 bis 1989 von Mike Krüger moderierte Show für mich einen vergleichsweise hohen medienhistorischen und persönlichen Wert:

Heutzutage gilt ja gemeinhin das Privatfernsehen als Unterschichten-TV und die Öffentlich-Rechtlichen zumindest noch als im Ansatz humanistisch-bildungsbeauftragtes Fernsehen. Die in der Kommunikationswissenschaft debattierte Konvergenzhypothese geht dabei davon aus, dass sich beide Sendeprinzipien zwangsläufig, beispielsweise durch einen vergleichbaren Quotendruck, einander annähern. Ich behaupte: Die Öffentlich-Rechtlichen waren bereits mal da, wo die Privaten jetzt sind. Vermutlich waren sie sogar noch einen Ticken weiter drunter. Zumindest für meinen Geschmack. Nur will man das heute nicht mehr so recht wahr haben – oder hat es schlicht verdrängt oder vergessen. Zumindest ist mir nicht bekannt, dass man „Vier gegen Willi“, das ich als Paradebeispiel dieser Zeit ansehe, jemals wiederholt hätte.

Um was geht’s? „Vier gegen Willi“ war eine große Samstagabend-Show, die in einer Zeit gelauncht wurde, in der die Öffentlich-Rechtlichen gegen die gerade an Boden gewinnenden Privaten zu agieren versuchten. Das Fernsehen sollte frecher, gewagter, chaotischer, obszöner, anarchischer und radikaler werden, als man das noch vom Weichspül-Programm der Vorjahre gewohnt war. Sendungen wie Jürgen von der Lippe „Donnerlippchen“ wurden gestartet, in der dem Publikum vor Ort und auf der Straße recht üble Streiche mit versteckter Kamera gespielt wurden. Und eben „Vier gegen Willi“, die große Samstagabend-Show von Trötennase Mike Krüger. Sündteures Bühnenbild, sündteure Stargäste und ein sünd-sünd-teures Spielkonzept.

So wurden beispielsweise die beiden Familien, die in der Sendung gegeneinander antraten, mit ihrem Mobiliar in die Sendung gekarrt. Dabei mussten sie absolut sinnlose und möglichst peinliche Spiele über sich ergehen lassen. Das Prinzip war: Wer ins Fernsehen kommt, der ist auch bereit zu leiden, der ist bereit, sich zum Affen zu machen. Quasi ein „Holt mich hier raus“ – nur ohne Star, die Leidtragenden waren das Publikum und die Mitspieler. Genaugenommen hat sich das Medium also damals nicht über sich, sondern über seine Kunden lustig gemacht. Showmaster und Crew war immer fein raus, sie hatten ja die Fäden in der Hand – sie bestimmten, wie gespielt wird, ohne Rücksicht auf Anstand oder Moral. Es galt, gegen RTLs „Alles Nichts Oder“ oder „Tutti Frutti“ zu bestehen, da musste man eben auch frech und chaotisch sein. Bei RTL bekamen Hugo-Egon Balder und Hella von Sinnen die Torten ins Gesicht. Bei der ARD waren es die eigenen Gebührenzahler.

Unvergessen für mich, als Mike in seiner Sendung beispielsweise eine Schalte nach draussen machte. Ein großer Kran macht vor dem Audi A80 eines Zuschauers halt, greift sich den Karren. Und dann darf der völlig entsetzte Inhaber live vor der großen Videowand zusehen, wie er sammt Inhalt in eine Schrottpresse geworfen wird. Tja, Pech gehabt. Mike Krüger darf das, was sich Stephan Raab heute nicht mehr trauen würde. Nachdem das Auto zu einem quadratischen Würfel verarbeitet wurde, wird es im weiteren Verlauf der Sendung gemeinsam mit fünf anderen Schrott-Würfel dem verzweifelten Kandidaten vorgeführt. Nichts mehr ist zu erkennen. Seine Aufgabe: Sein Auto unter den Würfeln zu erraten. Errät es richtig, kriegt er einen Neuen. Der Mann quält sich ein Lächeln ab, immerhin filmt die Kamera mit. Frei nach dem Motto: Hey, freu dich doch. Du warst im Fernsehen und kriegst vielleicht nen Neuwagen. Das war’s doch wert. Ob das Auto irgendeinen besonderen, idellen Wert hatte, ob sich darin irgendwelche Wertgegenstände befanden oder einfach die Tatsache, dass der gute Mann ohne sein Wissen um Eigentum beraubt wurde – who cares? Es sind die 80er. Der Showmaster darf das. Was Japan in den 90ern machte, das machte der federführende Bayrische Rundfunk schon 10 Jahre zuvor. Heutzutage wäre sowas ein Fall fürs Gericht. Jeder Sender hätte heute die Sache als üblen Scherz aufgelöst und der Kandidat hätte sein eigenes Auto wieder bekommen und vielleicht sogar noch ein neues dazu gewonnen. Nicht so bei Vier gegen Willi. Die Sache war echt. Er hatte es übrigens richtig erraten, auch wenn das neue Auto erst Wochen später bei ihm ankam.

Allein die Tatsache, dass ich mich an diese Live-Ausstrahlung trotzdem noch so lebendig erinnere (es ist mit 5 1/2 Jahren mein erstes TV-Erlebnis, an das ich mich detailliert erinnern kann – und die Berichte im Internet bestätigen, dass ich mich tatsächlich nicht getäuscht habe), zeigt, dass mich diese Zeit durchaus geprägt hat. Weiteres Beispiel der Respektlosigkeit gegenüber dem Gebührenzahler: Während eine Kandidatenfamilie in der Sendung sitzt, wird die Punk-Rock-Band „Die Toten Hosen“ in ihre Wohnung gelassen. Per Live-Schalten dürfen sie mit ansehen, wie sie, während die Sendung läuft, dort eine Party feiern und ihre Wohnung zertrümmern. Natürlich müssen sie zwischen den Schalten immer irgendwelche doofen Spiele lösen. Die Kandidaten, auf solche Extremsituationen Mitte der 80er natürlich in keinster Weise vorbereitet, starren nur entgeistert vor sich hin und geben ihr Bestes, um nicht zu verlieren. Doch selbst der Gewinn ist mehr ein Glücksfall gewesen. Das Fernsehlexikon verrät mir …

Das Maskottchen der Show, der Hamster Willi, entscheidet das Schlussspiel. Er sitzt in einem Feld mit drei Ausgängen. Die Familien verteilen Schilder mit Währungen von D-Mark bis Lire auf die verschiedenen Ausgänge und gewinnen, je nach Wahl des Hamsters, entsprechend viel oder wenig. Krügers Kommando zuvor lautet: „Willi go!“
Die Show hatte hohe Zuschauerzahlen, löste jedoch Proteste wie kaum eine andere Sendung aus (…) Ein andermal musste sich ein Familienvater einen Irokesenhaarschnitt verpassen lassen, um Punkte zu gewinnen, die Toten Hosen zertrümmerten das Wohnzimmer einer Kandidatenfamilie, und ein Mädchen musste durch eine halbnackte Eishockeymannschaft robben.
(…) Durch (…) die Spiele sprach die Show hauptsächlich ein jüngeres Publikum an, und die älteren ARD-Zuschauer saßen entsprechend verstört vor dem Fernseher und wussten nicht, wie ihnen geschah. Schon im November 1986 bekam Krüger wegen dem Mädchen zwischen den Eishockeymännern die „Saure Gurke“ für die angeblich frauenfeindlichste Sendung im Fernsehen.

Im Ernst: Wir waren Japan eigentlich doch voraus, oder? Wieso zum Henker finde ich bis heute so wenig Videoschnipsel dieses Kleinods aus den 86-88ern? Das einzige, was uns die allwissende Videobörse bietet sind Auftritte von Music Acts wie Modern Talking (sic!) oder Jethro Tull. Immerhin sieht man hier, dass es für die damalige Zeit ein wirklich herausragendes Bühnenbild hatte. Und die Kandidaten haben wohl grad ein Spinnen-Spiel hinter sich gebracht:

[Youtube]

Im Spiegel von 1987 wird das öffentlich-rechtliche Unterschichten-TV ebenfalls behandelt. So heißt es da im Artikel „Inferno der guten Laune“ u.a.:

„Ein Trend zur Tobsucht ist unverkennbar in deutschen TV-Unterhaltungen ein Drang zu ungenierter Blödheit und infantilem Spieltrieb. (…) Eine neue Generation von Showmastern drängt in die Lachprogramme, Schadenfreude ist der Humus, auf dem ihr Gewerbe gedeiht. Und massenhaft stürzen sich die Laien-Spieler, die aufgekratzten Exhibitionisten, ins öffentliche Gelächter.

Am emsigsten ackern Bayernfunk und WDR in der Furche des Frohsinns (…) Die Münchner haben den Familien-Wettkampf „Vier gegen Willi“ im Rennen (…Dort) kam der Postbeamte Heinrich Gronenberg unter die Schere und zum Irokesen-Schopf. Die Punk-Band „Tote Hosen“ zertrümmerte das Wohnzimmer einer entgeisterten Kandidaten-Familie. Eine unverzagte Dame mußte über die geölten Leiber einer Eishockey-Mannschaft kriechen. (…)

Lippe ist der junge Wilde der Zerstreuungs-Television, ein Virtuose der öffentlich-rechtlichen Zote, ordinär und rüde bis zum Sadismus. So placierte er unlängst zwei frisch ondulierte und gebügelte Mitspielerinnen in eine Badewanne, stellte Nonsens-Fragen und bei falschen Antworten die Dusche an. Sichtlich vergnügt betrachtete der Showmaster sodann die Damen-Qual, das ruinierte Make-up, die entstellten Gesichter. „Nicht mehr durch Leistung“, zürnte die „FAZ“, „sondern durch Leiden kommen Fernsehkandidaten neuerdings zu öffentlichen Ehren.“ (…) „Die Gürtellinie“, droht von der Lippe, „muß in jeder Generation neu definiert werden.“ Nicht „niedlich und anbiedernd“ soll die Unterhaltung daherkommen, sagt der „Willi“-Erfinder Jochen Filser, „wir wollen polarisieren“. Und „Donnerlippchen“-Redakteur Wolfgang Neumann insistiert, die Laienspieler hätten stets ,eine unbändige Freude“ an der Flagellanten-Show und empfänden keinerlei Opfer-Trübsinn.

Beim letzten Satz bin ich mir ja nicht ganz so sicher.

Foto-Quellen:

Hamster-Cartoon, Mike Krüger mit Hamster: BR
Kandidat mit Auto-Schrott: WDR
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