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Der Fall Peterson vs. Newman

Eintrag vom: 23.01.2018 | von: Basti | in: Medien

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Das Gespräch zwischen Psychologie-Professor Jordan Peterson und News-Anchor und Journalistin Cathy Newman geht in der Medienlandschaft grad ziemlich viral. In dem ca. halbstündigen Gespräch sieht Newman nicht gut aus. Auf Petersons Aussagen geht sie wenig ein. Zwar versucht sie ihn immer wieder in eine Ecke zu pressen, benutzt dafür aber primär Falsch-Behauptungen, die der sehr kühl argumentierende Akademiker rethorisch gekonnt abschmetteren kann. Da sich das Interview verstärkt um Gender-Gerechtigkeit dreht und Peterson mit seiner Kritik an Bill C-16 und weiteren kontroversen Aussagen zur Political Correctness ziemlich polarisiert hatte, war die Debatte bereits im Vorfeld emotional aufgeladen.


Das Interview blähte sich im Nachgang erwartungsgemäß auf. Channel 4 sah sich genötigt seine Journalistin zu schützen, Peterson distanzierte sich vorsorglich von Hate-Speech, und Kritiker von Peterson verglichen ihn gleich mal mit der alternativen Rechten. Viel wurde auf beiden Seiten kritisiert. Am meisten Kritik habe ich auf Seiten Newmans gelesen. Sie habe das Interview bewusst aufgestachelt und dem Professor falsche Aussagen unterstellen wollen. Das Interview sei ein Paradebeispiel für News Bias. Letztendlich hätte Newman dafür gesorgt, mehr Öl in den kulturellen Kampf der Geschlechter zu streuen, als ihm zu helfen, während sich Peterson lediglich für Meinungsfreiheit und die freie Entfaltung ausgesprochen habe.

Ich denke, die ganze Debatte kann man nicht so einfach herunter brechen – weder medienwissenschaftlich, ethisch noch inhaltlich. Man kann auch aus einem schlecht geführtem Interview nicht gleich darauf schließen, dass Prof. Peterson die Wahrheit auf seiner Seite hat. Die wirkliche Gefahr bei solchen Gesprächen ist -in meinen Augen- dass die beiden verfeindeten Lager, also Progressive und Konservative, praktisch sofort ihre Argumentationsketten übernehmen, anstatt sich mal Gedanken über den Inhalt zu machen: Peterson ist für die einen ein Aufwiegler, der den ganzen Aufbruch (und alle feministische Arbeit gleichermaßen) gefährdet, Newman für die anderen eine radikale Feministin, deren Ziel es nur ist, Männer wie Frauen mit ideologischem Gedankengut zu unterdrücken. Dabei ist dieses Interview vielleicht das beste Beispiel, zu lernen, was dieses festgefahrene Filter-Bubbling eigentlich mit uns und unserer Argumentationskultur schon gemacht hat.

Ich glaube nämlich nicht, dass Newman das Interview in bösen Absichten geführt hat, genauso wenig wie Peterson. Klar, Newman hatte sicherlich vor, Peterson in die Mangel zu nehmen – das ist für einen Journalisten auch die richtige Vorgehensweise. Alles andere hätte man ihr vermutlich genauso angekreidet. Ich bin mir deswegen gar nicht sicher, ob wir es hier wirklich nur mit einem journalistischen Supergau zu tun haben. Wenn ich mir Newmans leeren Blick und Stammelei bis hin zum völligen Blackout so anschaue, haben wir es eher mit einem menschlichen Gau zu tun, der viel eher dem der kognitivien Dissonanz gleicht als dem der fachlichen Inkompetenz.

Meine These: Newman hängt -wie immer mehr Menschen heutzutage- in ihrer Bubble fest. In ihrer Welt ergeben ihre Argumente Sinn, weil alle Gegenthesen und alternative Sichtweisen ausgeblendet wurden. Die konservativen Facebook-Freunde wurden entfriendet, der Google-News-Algorithmus liefert primär Nachrichten zum eigenen (Un)-Rechtsempfinden und sorgt für entsprechende Selektionswahrnehmung, in den politischen Debatten wird emotional verstärkt, aber wenig Dissenzkultur trainiert. Man glaubt, die Wahrheit und Gerechtigkeit auf seiner Seite zu haben.

Das ist natürlich nicht so. Unterschiedliche Weltbilder gehören zum Pluralismus, zum Menschenwesen dazu. Menschen sind verschieden und nur weil man seine Meinung nicht teilt, muss das Gegenüber kein schlechter Mensch sein. Und so verlernt man dank Filter-Bubbles immer mehr den Blick für die Gegenseite und wandert von argumentativem Nebeneinander zu einem ideologischen Gegeneinander.

Newman konnte mit den Argumenten von Peterson einerseits nichts anfangen, weil sie völlig ihrem Weltbild widersprach. Andererseits verstand ihr „Gehirn“ aber durchaus auch die Logik dahinter. Peterson konnte sehr einfach aufzeigen, warum er die Sache so sieht, wie er sie sieht. Sein Weltbild muss man nicht teilen, aber es ist valide. Die Journalisten kam somit in ein Konfliktfeld, in der der auf ihrem Weltbild fußende Argumentationsrahmen nicht mehr funktionierte. Anstatt sich aber auf seine Argumente einzulassen, verharrte sie in ihrer Bubble, stellte immer wieder die gleichen Fragen, wunderte sich, warum das Vorbereitete plötzlich so gar nicht mehr mit dem vor Ort passierenden zusammenpasst. Dem gegenüber steht ein Peterson, der nicht nur seine Welt genau argumentieren kann, sondern auch die Filter-Welt von Newman sehr genau kennt, also auch weiß, wie er auf ihre Anschuldigungen argumentieren kann. Am Ende fällt es ihm echt schwer, sich ein Lachen zu unterdrücken – und ich gebe zu: Mir leider auch.

Wenn das Interview also für irgendwas ein Plädoyer sein sollte, dann dafür, dass wir endlich zwischen Ideologie und Ansicht, zwischen Gegeneinander und Neben- bzw. Miteinander unterscheiden müssen – und das geht nur, wenn man aus seinem eigenen Safe Space ausbricht und bereit ist, die Gegenseite anzuhören, sie auch zu verstehen und valide Thesen oder Argumente zu akzeptieren. Das bedeutet übrigens -im Gegensatz zu dem, was in einer political-correctness-Welt leider immer häufiger passiert– nicht, dass man sie sich zu eigen macht.

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