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Spitzer: Medienkonsum erst ab 15 Jahre

Eintrag vom: 13.08.2012 | von: Basti | in: Bildung

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Finde es nur ich merkwürdig, wenn ein Hirnforscher und Psychater sich über Medienkompetenz äußert, dabei Studien stark vorselektiert und ein kritisches Hinterfragen vermissen lässt (sinngemäß: “alles, was eine wissenschaftliche Studie einmal bewiesen hat, gilt.”)? Das hier angesprochene Gespräch mit Herrn Prof. Manfred Spitzer ist bei diapod.de zu finden:

[Hier klicken für Dialog]

Seine Erkenntnis: Die Förderung von Medienkompetenz im Kindesalter sei nicht möglich. Statt dessen vergleicht er den Medienkonsum mit dem “Genuß von Alkohol.” Medien sollten für Kinder bis zum Alter von 15 Jahren nicht zugänglich sein. Danach wäre (analog wie beim Alkohol) eine Schrittweise Annäherung an den Medienkonsum sinnvoll. Die Gamesbranche sei in Augen Spitzers so etwas wie eine Abzockgemeinde. Sofern man Jugendliche zum kritischen Denke bewege, dann würden sie das auch begreifen. Das Kaufen virtueller Güter sei Zeit- und Geldverschwendung.

Ich bin jetzt schon dafür, ab sofort jeden Theaterbesuch nur noch Volljährigen zu gewähren. Immerhin erhält man dort auch nur ein virtuelles Gut, was besten Falls auditiv und visuell wahrgenommen wird. Manchmal wird man dabei sogar noch zusätzlich der kreativen Interaktion beraubt. Überhaupt ist es lächerlich, Unterhaltung und Spaß zu vergüten.

Immerhin: Lego bauen ist erlaubt, weil es die Kreativität fördert. Microsoft Paint oder gar der Windows Movie Maker bleiben natürlich Tabu. Denn: Wer behauptet, dass Medien in den Unterricht gehören, “der lügt”. Begründung des Herrn Spitzer: Das ist so “weil ich weiß, dass es so ist.”

BAM! In your face!

Übrigens: Ich bin immerhin auch ausgebildeter Medienpädagoge und äußere mich trotzdem nicht mit Ratschlagen, wie man psychatrische Probleme löst. Das sollte (auch wenn ich darüber natürlich eine Meinung habe) doch nicht mein öffentliches Betätigungsfeld sein, schon garnicht unter meinem akademischen Mantel. Dass beide Bereiche eine große Schnittmenge haben und sich gegenseitig bedingen und beide Disziplinen über ihre Erkenntnisse kommunizieren müssen, stelle ich dabei gar nicht in Abrede.

Ich habe ja nichts dagegen, wenn man als Autor, Privatperson oder Vater seine private Meinung äußert. Aber in der Rolle als Wissenschaftler ist man immer dem kritischen Denken, der wissenschaftlichen Distanz  und der wissenschaftlichen Objektivität verpflichtet. Genau das lässt das Gespräch leider kläglich vermissen. Spitzer verkauft seine Meinung unter dem Deckmantel der Forschung als die einzig gültige, verschweigt dabei vollständig, dass es auch in der Forschung zahlreiche Blickwinkel auf einen Sachverhalt gibt und behauptet pauschal, dass alle Forscher mit anderen Ergebnissen lügen. Das ist nicht nur wider jeder Ehtik des wissenschaftlichen Diskurses, es erreicht auch noch genau das, was Herr Prof. Spitzer ja angeblich so unbedingt verhindern will:

Kritisches Denken beim Rezipienten. Der bekommt nämlich die finale Meinung ohne jede Dialektik vorgekaut.

Als Privatperson ärgert mich sowas.

Kommentare (4)

Scheiße, wenn ich gewusst hätte, daß “Was ist Was TV”, “Willi wills Wissen” und “Es war einmal das Leben” meinen Sohn dumm machen hätt ich ihn das nie anschauen lassen! Das Zeug wird gleich verbrannt!

Achach… so pauschalisierende Polemik mag ich gar nicht weiter hören!

Jetzt ist auch die GMK langsam sauer über den Spitzer: http://bit.ly/REBwcb Mir gefällt’s.

Bei der Jauch Sendung kam mir den Spitzer eh wie so ein Rumpelstilzchen vor. Total nervig!

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