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“Einmal ficken, zweimal blasen, und einen Cognac, richtig?”

Eintrag vom: 12.04.2011 | von: Basti | in: Film, Kultur, Natur

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“Nein, verdammt. Ich bestellte einmal ficken, einmal blasen und auf meinem Cognac warte ich schon seit 2 Stunden!”

Nur einer der herausragenden Oneliner in “The Opening of Misty Beethoven” (1976), der dem Werkstattkino in einer 35mm Kopie inklusive fantastischer deutscher Synchronisation vorliegt. Die Jugendverderbernacht am Sonntag in besagtem Etablisment mit einem allwissenden Christian Keßler und wie immer gut gelauntem Ulrich Bassenge war ohne Zweifel einer der lustigsten Filmabende der letzten Jahre. Wann und wo sonst kann man in einem proppevollem Kino mit gleichmäßig verteilten Geschlechtern solche Perlen wie Flesh Gordon, Bacchanale, Porno-Musicals, Through the Looking Glass, The Devil in Miss Jones oder die Sexvariante eines Fluch der Karibik genießen? Mit den Synchronstimmen von Ernie (aus der Sesamstraße) und Wolfgang Völz (Käpt’n Blaubär) wohlgemerkt.

Wortwörtlicher Höhepunkt des Abends: Eine tolle, deutschsprachige (!) 35mm Kopie des oben erwähnten Porno-Chics von Radley Metzger. Eine Tatsache, die eine Dame im Saal mit einem Orgasmusschrei begrüßte (wobei es auch ein kurzes enttäuschtes Stöhnen gab, dass es sich um keinen Sado-Maso-Streifen handeln würde). Im Film erzieht ein “Dr. Love” (Jamie Gillis) die Prostituierte Misty Beethoven (Constance Money) zu einer Universalsexkünstlerin. Neben den erwähnten Onelinern (zu viele, um sie hier aufzuzählen), gefallen auch so Details wie Dildos im Deutschland-Flagge-Motiv.

Alle Titel wurden von Keßler in ironisch-spaßigen Beiträgen kommentiert sowie nähere Hintergrundinformationen erläutert. Aber nicht nur dabei gab es Spannendes und Neues zu erfahren, auch einige Titel waren für mich neu. So präsentierte man die deutsche Synchronisation von Es geschah in Hollywood, der zweifelsohne schlechter synchronisiert ist als Phantasmagoria. Und das heißt was! Das Kino lag mehrfach brüllend am Boden vor Lachen. Sehr schön auch die erste Einstellung, in der der Haarschopf des Regisseurs schön rechts unten platziert in der Ecke sitzt. Aber mal im Ernst: Wen interessiert das in einem Softsex-Streifen mit “fliegenden Fickern” (fragt nicht!), der immerhin von Wes “Freddy Krueger / Scream / The Hills Have Eyes” Craven geschnitten wurde? Eben!

Auch eine neue Erfahrung: Filme von Eduardo Cemano (oder Ed Seeman). Selten spaßige Filme z.B. über einen jungen Abenteurer, der auf einer einsamen Insel (oder war es ein Planet?) eine nackte Riesin trifft, sich in ihrer Vagina verirrt (aber fliehen kann) und merkwürdige Geschlechtsrituale mit irgendwelchen Ausserirdischen (mit riesigen Tierköpfen) durchführt. Ebenso amüsant seine Filme über die Befreiung durch den sexuelle Orgasmus, den er selbst an einem Skelett (!) präsentiert.

Wo wir auch bei dem Thema wären, dass Keßler wohl am Herzen lag: Zu zeigen, dass Pronographie mal etwas anderes war, als das, was wir heute kennen: Sie war kreativ, bunt, fröhlich, einfühlsam, naiv und verspielt. Sie war filmisches Mittel zum Zweck und sie schloß den kritischen und anspruchsvollen Umgang mit Story, Dramaturgie und schauspielerischer Leistung nicht per se aus. Er war der Einstieg für viele Filmschaffende in das Filmbusiness – ganz wie es der Splatterfilm in den 70ern und 80ern es nunmal ebenfalls war. Auch dort wurde um die Gewalt- und Spezial-Effekte herumexperimentiert wie es der Sexfilm um den Geschlechtsverkehr tat.

Während sich der Horrorfilm aber emanzipierte und mittlerweile ein fester Bestandteil des Mainstream-Kinos geworden ist, versandeten die Versuche, etwas ähnliches mit Pornographie zu erreichen Mitte der 80er Jahre mit Aufkommen der Videokassette. Sex wurde in der Pronographei zur Ware. Und wer sich in Erwachsenen-Videotheken auf den einschlägigen Pornoseiten im Netz herumtreibt weiß: Es ist wirklich immer das Gleiche. Noch vor der Vorstellung sagte ich zu einem Kollegen, wie sehr mich doch das Horrorfilmbusiness mittlerweile langweilt. Früher hat man für solche Videokassetten noch schiefe Blicke seiner Bekanntschaft, schlechte Bildqualität, jahrelange Importbemühungen und das Aufbauen zahlreicher Untergrundkontakte -von denkbaren Strafanzeigen ganz zu schweigen- auf sich nehmen müssen. Heute läuft Saw in Multiplexkinos und das Fantasy Filmfest ist zu einer Massenveranstaltung geworden. Früher noch war das Mitternachtskino etwas ungewöhnliches, anderes, avantgardistisches…

An diesem Abend habe ich jedenfalls einmal mehr registriert, dass das Pronographie-Kino der 70er Jahre vielleicht noch die ein oder andere Perle bereithält, die ein sonst verstoßenes Thema als Vehikel für Versuche nimmt, die im Mainstream damals einfach nicht möglich waren – und im Gegensatz zum Horrorfilm, auch heute noch überraschen. Ich denke, ich werde mir mal die wichtigsten Filme der Porno Chic Ära besorgen, um hier ein wenig Nachhilfe zu nehmen. Das Buch “Die läufige Leinwand” von Christian Keßler, das ich nach diesem Abend jedem zu dem Thema empfehle, wird mir hier hoffentlich auch etwas weiterhelfen. Oder hättet ihr vorher gewusst, dass es eine pornographische David-Lynch-Hommage gibt, in der eine Frau einer Cornflakes-Packung einen Blowjob gibt während eine Toastbrotschreibe Saxophon spielt?

Bleibt zu sagen: Mehr davon! Wenn es Gründe gibt, nach München zu ziehen: Das Programm des Werkstattkinos ist schon mal ein Guter. Und was wir auf die Nacht von Sonntag auf Montag außerdem gelernt haben: “Die Menschen sind unzufrieden mit ihrem Sexualleben, weil sie zuviel drüber reden.” Also halt ich mal besser die Klappe.

Kommentare (4)

tobybear

Jetzt haste tatsächlich 3x “Pronographei” bzw. “Pronographie” geschrieben, aber nun gut, mit einer Hand ist natürlich schwerer zu schreiben, grins:-)

Ne im Ernst, war ein geiler Abend und ich stimme dir und dem guten Herrn Keßler voll zu in vielen Dingen. Und werde das als Anlass nehmen meine Obskuritätenfilmsammlung weiter aufzustocken, hehe…

Basti

Ja, hast Du noch nie was von den Pronographei-Filmen der 70er gehört, Mensch? 😉

Jugendverderber

Bin ich wieder zu spät …. Pronographei hab ich jetzt meiner Word-Autokorrektur beigebracht.
Tolle Kritik – vielen Dank! War in der Tat ein inspirierender und nachdenklich stimmender Abend.
Alice in Wonderland gibts übrigens bei amazon USA, ebenso wie die Cemano-Filme in zwo teuren Boxen.

Verarmt grüßt

der Ferderber

Basti

Also wenn der Ferderber jetzt regelmäßig nach den Nächten mein Blog liest, werde ich langsam nervös. :-)

Danke für die DVD-Tipps. Mein Warenkorb bei AdultDVDPacific ist schon randvoll. Und Keßlers Buch liegt als Ratgeber direkt hier neben mir. :)

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