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Wann wird progressives Vorgehen zur Ideologie? (2 Audio-Debatten)

Eintrag vom: 02.02.2018 | von: Basti | in: Artikel, Bildung

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Ich hatte hier vor einiger Zeit ein Interview mit Professor Jordan Peterson von der Universität Toronto vorgestellt (Zum Artikel). Eigentlich hatte ich da tatsächlich eine kleine Debatte erwartet, die aber ausblieb.

Jordan Peterson ist nämlich keine unumstrittene Person. Viele seiner Statements werden vom rechten Umfeld genutzt. Das alternativ-rechte Mediennetzwerk Rebel Media hat ihn nach dem Entzug von Drittmitteln mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne unterstützt und immerhin fast $200.000 in die Kassen gespült. Peterson hatte dabei in letzter Zeit vor allen Dingen Anhänger der LGBTQ-Community und Frauenrechtler gegen sich aufgebracht, da er der Meinung ist, Ideologen würden sich mit dem Anschein progressiver Denke schmücken, dabei ohne demokratische Legitimation im Namen von ganzen Gruppen reden und Gesetzesänderungen fordern und unter dem Deckmantel der Political Correctness einen neo-marxistischen Totalitarismus einführen, der jede andere Denke unter Strafe stellt.

Jetzt ist die Frage: Darf so ein Professor Teil der akademischen Ausbildung sein?

„Nein, darf er nicht“, sagten Professoren und die Gleichstellungs- und Gewaltpräventationsbeauftragten (die sog. „Gendered Violence Task Force„) der Wilfrid Laurier University in Ontario. Dort hatte Lindsay Shepherd, eine studentische Hilfskraft, im Rahmen einer Diskussionrunde zum Thema Sprache einen Clip von Jordan Peterson des TV Sender TV Ontario gezeigt. Darin ging es darum, ob die LGBTQ-Community das gesetzliche Recht auf eigene Pronomen hätte oder nicht. Als Reaktion wurde sie zu ihren Vorgesetzten und den entsprechenden Beauftragten gerufen, ermahnt und ab sofort unter Aufsicht gestellt.

Der Vorwurf: Das Vorführen von Jordan Peterson trage zu einem vergiftetem Klima bei, das man nicht fördern dürfe, da es ein Lernklima der Angst hervorrufe. Einen Peterson-Clip unkommentiert zu spielen sei wie eine Rede von Hitler unkommentiert an Studenten weiterzugeben. Die Vorführung eines solchen Videos sei damit als transphobe Handlung und Gewalttat gegen Transsexuelle einzustufen. Die Hilfskraft wehrte sich mit dem Argument, dass dies in Wahrheit Diskriminierung gegen sie sei, da die Universität ihr die Redefreiheit innerhalb des wissenschaftlichen Diskurses auf Grund von politischen Ansichten untersage und letztlich so innerhalb der Klassen keine eigene Meinungsbildung mehr möglich sei. Kurzum: Es gäbe einen political bias innerhalb der wissenschaftlichen Lehre, der einer Gedanken-Ideologie gleichkomme.

Das ganze erinnert mich ein wenig an den Fall James Damore, der mit ähnlichen Argumenten gerade gegen Google klagt, und den ich auch schon hier erwähnt hatte.

(Internet-Meme)

Die Laurier-Universität hat sich mittlerweile bei Shepherd entschuldigt und sieht nach Protesten in der Presse nun doch keine Verstöße mehr. Wenn das so ist, stellt sich aber natürlich die Frage: Hat sie (und damit auch Jordan Peterson) Recht? Wird die Wissenschaft, die erst durch Meinungs- und Redefreiheit Wissen schaffen kann, zunehmend durch Ideologien zersetzt? Werden Studenten durch Repressionen zu einer Scheere im Kopf erzogen, damit sie bestimmte, kontroverse Meinungen nicht mehr äußern und sich damit mittelfristig eine progressive (politisch korrekte) Agenda durchsetzt? Und führt dies letztlich genau dazu, dass wir die eigentlichen, politischen Tendenzen nicht mehr erkennen, weil sie nicht ausgesprochen werden dürfen (Trump, Brexit, AFD, Le Pen usw…)?

Anders gesagt: Wird der (politische) wissenschaftliche Diskurs sukzessive durch Verängstigung und Repression unterdrückt – und zwar genau mit den Argumenten, welche die Diskriminierungsgegner, Gleichstellungskämpfer und Fraunrechtler als ihr Recht vortragen und ist damit das progressive Vorgehen eigentlich nur noch reine Ideologie? Oder gilt es genau anders herum, und die Konservativen, Rechten oder schlicht Andersdenkenden instrumentalisieren sich in einer Opferrolle?

Die Wahrheit dürfte wie immer irgendwo dazwischen liegen.

Die Sache beschäftigt mich jedenfalls schon länger und ich wollte jetzt mal im Lindsay Shepherd-Fall beide Sichtweisen kennen lernen. Man muss dazu sagen: Auf Seiten der Peterson-Gegner findet man da erschreckend wenig. Die einzigen, welche sich konkret zum Fall und ihren Beweggründen äußern, sind die Professoren und Beauftragte der „Gendered Violence Task Force“, die Shepherd ermahnten. Von diesem Gespräch gibt es eine (Teil-)Aufzeichung in der sie ihre Argumente vortragen.

Ein paar Tage später hat auch die andere Seite, nämlich Peterson von der Universität Toronto, seine Ansichten vorgestellt. Er diskutiert dabei mit Dr. David Haskell und Dr. William McNally von der Laurier-Universität über den Vorfall dort. Der Vergleich ist vielleicht nicht ganz fair, weil in diesem Video keine Gegenstimme teilnimmt, andererseits hat es Lindsay Shepherd in dem anderen Ton-Dokument auch relativ schwer, überhaupt ihre Argumente zu präsentieren.

Ich empfehle, sich mal beide Positionen anzuhören. Persönlich finde ich das ungemein spannend. Die Ton-Dokumente gibt es auf Youtube, aber ich baue sie hier mal ganz bewusst nur in Audio-Form ein, um sich ganz auf das Gespräch und nicht auf die Gesichter zu konzentrieren. Mich würde dabei durchaus auch aktuelle Meinungen und/oder Erlebnisse aus dem Wissenschaftsfeld interessieren. Wenn ihr also noch an der Uni tätig seid/studiert und dazu Erfahrungen habt: Nur her damit! 🙂

(Zum Anhören einfach links und rechts auf die Player klicken, wenn ihr über mobile kommt dann funktionieren vermutlich nur die direkten Download-Links auf der linken und rechten Seite).

Argumente der Peterson-Gegner an der Laurier Universität Verteidigung der Peterson-Befürworter (an der Toronto-Uni)

Tondokument herunterladen (m4a)

Tondokument herunterladen (m4a)

Jean-Claude van Johnson

Eintrag vom: 17.01.2018 | von: Basti | in: Artikel, Film, Kultur, Natur

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Jean-Claude van Damme ist eigentlich Geheimagent Jean-Claude van Johnson, der seine Rollen in Action-B-Movies nur als Tarnung und zum Training annimmt, während er in der drehfreien Zeit irgendwelchen Schurken das Handwerk legt.

Was so dämlich klingt ist auch dämlich und reiht sich damit in die Riege bescheuerter 80er-Jahre-Plotlines ein, die nur dazu dienen, Actionszenen aneinanderzureihen. Da sich sowas in der heutigen Zeit selbst nicht mehr allzu ernst nehmen kann, verknüpft es die Serie mit allerlei Meta-Ebenen rund um die Filme und den ehemaligen Star-Ruhm eines gealterten JCVD sowie pradoistischer In-Your-Face Selbstironie. Da spielt es am Ende auch keine große Rolle mehr, dass die Serie vor Plotholes und offenen Fäden strotzt. Einen Anspruch hat Jean-Claude van Johnson eh nicht.

Das Ganze ist also letztlich nur aneinandergereihter Klamauk kombiniert mit einer gehörigen Portion Hommage an das B-Movie-Kino des letzten Jahrhunderts – und ich mag’s wirklich. Ich mag’s auch deswegen, weil die blöden Ideen so blöd sind, dass sie im Plotverlauf hin und wieder auch echt überraschen. Der Spagat zwischen Blödelei und Story-Vorantreiben gelingt der Serie zwar nicht immer reibungslos, aber was ist in billigen Actionfilmen schon jemals reibungslos gelaufen? All dem wird auf einer weiteren Ebene eine saudumme JCVD-Kinofilmproduktion beiseite gestellt, in der van Damme Huckleberry Finn spielen muss und welche die Dämlichkeit der eigenen Serie wiederspiegelt.

Ich hab großen Spaß daran. Ich mag aber halt auch dämliches 80er Jahre-Kino. Eine Hommage daran ist ja in letzter Zeit im Kino auch keine Seltenheit mehr. Aber wo Turbo Kid sich noch sehr nah an Tempo und Dramaturgie der 80er hielt, Kung Fury den Bogen bis zum Slapstick überspannt, liegt Jean-Claude van Johnson irgendwo genau dazwischen. Es gibt genug Geschichte her, dass man weiterschauen will und überrascht gleichzeitig mit einer überspitzten Dummheit auf der Meta-Ebene, ohne den Plot zu stark zu verbiegen. Gut gemacht, Amazon!

Empfehlung! Derzeit in Amazon Prime Video zu sehen.

A plea for dignity

Eintrag vom: 12.01.2018 | von: Basti | in: Artikel

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With the open letter by Catherine Deneuve, another viewpoint has been put into the #metoo issue. This time against the movement. It has not taken long for the publicly shaming process to start aginst her.

I have to admit there’s one particular thing that bothers me here: I’ve grown up in a state under the rule of law. My education is, that everything bows under this rule of law. The law, the judge and the courts decided about crimes, penalties, proportionality and yes, also about rehabilitation.

I also learned, that even if you’re a bad criminal, you have a right to become part of society again, if you prove you have changed. Only really grave crimes can prevent this.

I also learned, that shaming somebody publicly is inhuman and that even criminals deserve a right to be heard before court and be treated with dignity and not spit upon. In Germany, dignity is so important, that the right to it, for everybody -even the one who disobey it-, became the first and foremost article in our basic law.

And I also learned, that it is not the people who decided about other people – but a constitutional state. One with experts, that have been educated about this – for a good reason. Germany is a country that has been ruled by hysteria and hysteria can suddendly make the basic principles of democracy fade away, because everything is justified by meanings and feelings rather then by carefully developed rules and laws we all agree upon.

To me, this now feels more like a witch hunt done by the general puplic and social media. And while I absolutely condemn this massive abuse of power, I do feel like we’re back in medieval times, where we, the people, decide who to kill and who we don’t. We don’t even think about proportionality. These people are -contrary to even to some killers or real rapists- never rehabilitated anymore. The public spoke, not the law.

We should bring these people before a respected court and convict them according to the law, not before a public shaming tribunal. If this gets out of hand and change into more and more hysteria, what will we get? Will the way how we handle this right now solve the problem? Or will it probably even drive a wedge between sexualities like we already did in politics, races, social status and all other forms of discrimination in so many countries? What if we again forget to listen to all sides? How surprised will we be this time -after Brexit, Donald Trump and the rise of right wing in Europe- when suddendly our best friends seem to be misogynists, because we were not able to discuss this, we were not able to hear and not able to understand? Because we were just shaming each other, ignoring each other, hating each other with the ridicoulous believe, this would solve anything? For my side, I wouldn’t be much surprised, if all of this leads -again- to the pure opposite of what the good cause of these movements originally wanted to be.

Jon Stewart recently said to Howard Stern, that we clearily had a bad climate for for people to allow them to abuse their power. But we now have probably an equally bad climate for all of us to learn. I think he’s right.

(Image for illustrational purposes only)

Lektüre: James Damore vs. Google

Eintrag vom: 11.01.2018 | von: Basti | in: Artikel

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Man mag von der Anklageschrift von James Damore und David Gudeman jetzt halten was man will (und von seinen Aussagen sowieso), aber spannend ist das Dokument allemal. Ich selbst kenne ja so Kommunikationsprozesse in riesigen Firmen nicht, wo ganz viele Leute miteinander über scheinbar alles mögliche sprechen, was nicht mal direkt mit der Arbeit zu tun hat.

Jetzt mal vorausgesetzt, die da angebrachten Indizien stimmen (das weiß ich natürlich nicht, aber das werden Gerichte herausfinden): Mich hat es doch echt gewundert, dass das intern so ideologisch werden kann. Dabei spielt es für mich auch keine Rolle, wer nun auf welcher Seite steht. Sowas hat für mich einfach in einer Firmenkommunikation nichts verloren. Gerade eine Machtkrake wie Google sollte doch eigentlich wissen, dass sie sich politisch nur so neutral wie möglich verhalten kann. Erstaunlich wie schnell das da aus dem Ruder läuft, teilweise richtig unverschämt wird.

Wenn das dann tatsächlich soweit geht, dass Google interne Blacklisting-Tools von Mitarbeitern erlaubt (beginnt so ab Punkt 141), dann hat man dort Grundsätze von Pluarlismus, Demokratie, Teamgeist, sozialer Kompetenz, Face-2-Face-Kommunikation, Dissenz- und Debattenkultur tatsächlich nicht verstanden, sondern nutzt seine (technischen) Möglichkeiten aus rein politischer Ideologie. Das kann man sich wohl bei der Größe von Google leisten, wo man sich scheinbar seine Teamkollegen und Mitarbeiterkollegen aussuchen oder abschirmen kann.

Und das ist als Mitarbeiter für ein Unternehmen der Mächtigkeit Googles schlicht eine rote Karte.

Ich bin der letzte, der die Ansichten dieser Kläger teilt, aber wenn man ihnen mit den Mitteln begegnet, die wir an ihnen oft anprangern (wenn die Anklage stimmt ggf. noch deutlich schlimmer), anstatt ihnen mit Argumenten, Debatten und den Regeln der Rechtsstaatlichkeit zu begegnen (das schließt eine Kündigung nicht aus, aber hier geht es um mehr), dann macht mir die politische Arbeitsideologie eines mächtigen Konzerns für mein Privatleben viel mehr Sorgen. Ein Konzern, bei dem sich die Mitarbeiter möglicherweise eine eigene Heile-Welt-Bubble bauen, weil sie ernsthaft glauben, Ignoranz gegenüber Problemen sei eine Lösung.

Warum? Weil sich das Blatt selbst bei einem Konzern wie Google auch um 180° drehen kann.

Es geht auch um Verantwortung. Mir ist klar, dass das nur Firmeninterna ist. Aber Firmeninterna führt auch zu Firmenkultur. Schwarze Listen finden auch Diktatoren super. Nur dann stehen da genau die anderen Leute drauf. Vielleicht irgendwann mal man selber. Und dann kann man noch nicht mal was gegen die Überwachungs-Ausgrenzungs-Infrastruktur sagen, welche die „Guten“ im schlechten Beispiel vorangehend für sie aufgebaut haben…

Wichtiger Disclaimer: Mir ist vollkommen klar, dass das absolute Ausnahmefälle sein können (vermutlich sind!) und alle Google-Mitarbeiter, die ich kenne, zählen zu den offensten Menschen. Es ist auch klar, dass bei einem Konzern der unfassbaren Größe Googles ganz viele solche Sachen passieren (z.B. auch das hier). Mir ist auch klar, dass die Anwälte das genau in den Kontext rücken, den sie brauchen und zahlreiche Auslassungen gemacht haben. Natürlich muss man jetzt auch die andere Seite anhören und deswegen sprach ich oben auch davon, dass ich jetzt einfach mal ganz bewusst von dem einen Kontext ausgehe, ganz bewusst auslassend, so lange keine weiteren Informationen in dem Gerichtsurteil bekannt sind.

Hier geht’s zur Akte.

Restaurant am Sonntag: Opatija

Eintrag vom: 17.12.2017 | von: Basti | in: Artikel

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War vor einiger Zeit zum ersten Mal im Opatija essen, nachdem die Bewertungen ganz gut waren. Das Lokal liegt mit zwei getrennten Gasträumen sehr günstig mit im Tal oder am alten Peter.

Das Preisverhältnis ist für Münchner Verhältnisse und in dieser zentralen Lage gewaltig. Für einen Teller mit Schnitzel mit Preiselbeeren, Hacksteak mit Schmelzkäse, Holzfällerspießchen, Bartwurst und Pommes, Djuvec-Reis und Ajvar habe ich 9,90 € gezahlt. Das Lokal punktet dabei nicht unbedingt mit großem Ambiente oder einer schönen Aufmachung am Teller (siehe Foto), aber satt wird man hier sicherlich und die Bedienung war bei uns aufmerksam, freundlich und auf Zack. Erstaunlich, wenn man bedenkt, was für ein Verkehr in dem Laden herrschte.

opatija

Die Qualität des Essen war für den Preis vollkommen okay, genauso wenig war es etwas Aussergewöhnliches: Man kriegt, was man bestellt, und es wird nicht (unnötig) experimentiert. Die Cevapcici waren für meinen Geschmack für einen Mediteraner ein wenig zu langweilig. Die hätte ich selbst vermutlich besser hinbekommen. Trotzdem meckern auf hohem Niveau bei dem Preis. Insgesamt wirkt der Laden für mich profesionell geführt und effizient. Er ist auf Durchsatz ausgerichtet. Durch die schiere Menge und die Abfertigung fehlte mir persönlich aber der Charme. Es war trotzdem sicherlich nicht mein letzter Besuch. Die Karte ist groß und ich probiere gerne weiter – vielleicht dann an einem Termin mit weniger viel Andrang. 🙂

Der Wirt ist übrigens der Buder von Harold Faltermeier. Das ist der hier.

Restaurant am Sonntag: Drei Mühlen (Frühstück)

Eintrag vom: 29.10.2017 | von: Basti | in: Artikel

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War heute mal wieder im Drei Mühlen, diesmal beim Weißwurstfrühstück. Dabei kosten 2 Weißwürst und 1 Breze unschlagbare 1,95 €. Und: Sie sind echt gut. Die Brezen frisch gebacken. Das Bier von Augustiner. Die Einrichtung bayrisch. Das Personal entspannt und nett. Was will man mehr? Das hat Pächter/Wirt Christian echt super gemacht und daher von mir eine ganz klare Empfehlung für den Laden im Drei-Mühlen-Viertel, sofern man mit Fleisch kein Problem hat. Das war ganz sicher nicht das letzte Frühstück dort…

(Klick)

 

Staat verübt Anschlag auf Berliner Breitscheidtplatz

Eintrag vom: 26.10.2017 | von: Basti | in: Artikel, Gesellschaft

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Mal zur Abwechslung wieder eine clickbait-heischende Überschrift, die man so natürlich nicht stehen lassen kann. Aber die Sache ist ja durchaus wichtig und glaubt man dem ARD-Magazin Kontraste wäre dieser Vorwurf nicht soweit hergeholt, wie es scheint.

Leser meines Blogs wissen ja, dass ich Staatsterrorismus im Westen für eine vollkommen „übliche“ Form der politischen Strategie halte und den Vorwurf pflege, dass Verfassungsschutz und ein Teil der Geheimdienste genau für diesen Zweck genutzt werden. Man nennt dieses Vorgehen auch Strategie der Spannung: Man terrorisiert seine eigenen Bürger (oder lässt sie terrorisieren), weil die Angstzustände, die Destabilisierung der Staatslage und die Verunsicherung der Bürger für einige politische Akteuere sinnvoll sind.

Das letzte relevante Beispiel war vermutlich der Anschlag auf den Berliner Breitscheidplatz vor einem Jahr. Nach weitläufiger Meinung die Tat eines 24-jährigen Tunesiers names Amis Amri, im Auftrag des „Islamischen Staates“ (IS). Gleichzeitig die Rechtfertigung des Kriegs gegen den Terror – was heute so ziemlich alles bedeuten kann. Amri tötete mit seinem Anschlag 12 Menschen.

Aber ist Amis Amri der Schuldige, oder hat nicht vielleicht doch der deutsche Staat selbst die Tat auf dem Gewissen? Denn dann wäre es eben nicht islamischer Terrorismus sondern, zumindest in Teilen, auch deutscher Staatsterrorismus. Eine finale Antwort darauf habe ich bislang nicht, aber wenn eine Aufklärung bereits von Beginn an mit sogenannten „Ermittlungspannen“ belegt ist, dann werd‘ ich schon mal hellhörig.

Beispiel? Das LKA hätte Amri bereits Wochen zuvor aus dem Verkehr ziehen können, tat es aber nicht. Damit das nicht auffällt, hatte man diesbezügliche Akten gefälscht. Blöderweise fiel aber diese Fälschung des Kommissariat dann auch auf. Damals ging in der Presse eigentlich nur, dass man sich nur vor Ermittlungspannen schützen wollte. Persönlich finde ich die Erklärung „Das war halt eine Panne“ immer wenig befriedigend. Hypothese: Genauso hätte es ja sein können, dass es sich um Staatsterrorismus gehandelt habe, man Amri also bewusst nicht einsperren wollte, damit er seine Tat verüben konnte.

So eine These stellt man in der Presse natürlich nicht gern auf – zu unfassbar erscheint der Vorwurf, zu wenig Beweise gibt es. Also blieb es damals beim Tenor: „Die LKA, die ist halt schlappig wie Sau!“  Und doch gibt es immer wieder Belege, die derartiges Vorgehen nachweisen. So weit hergeholt wäre die Hypothese also vielleicht gar nicht. Gleichzeitig schützt diese „Unfassbarkeit“ scheinbar aber auch diese radikalen Gesetzesübertretungen vor ihrer Aufdeckung. Oder anders gesagt: Lieber schlampig wie Sau sein, als bei einer demokratischen Rechtsübertretung erwischt werden.

Soweit eine Vermutung.

Angeschoben wir diese Vermutung nun durch einen V-Mann des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalens namens VP01. Der ist von Steuergeldern bezahlt und soll Abu Walaa-Anhänger dazu aufgestachelt haben, Attentate in Deutschland zu begehen. Aufgeflogen ist er zunächst durch Ali Aydin, dem Verteidiger in einem Abu Walaa-Verfahren. Seine Mandanten belasten VP01 schwer und erklären, VP01 habe scheinbar alles dafür getan, damit sich die Anhänger endlich radikalisieren und „Ungläubige“ töten.

Jetzt kann man sagen: „Ein Abu Walaa-Anwalt kann mir vieles erzählen.“ Doch ihm springen weitere Anwälte zur Seite, die VP01 ebenfalls belasten. So z.B. Johannes Pausch. Der hatte bereits Daniel Schneider von den Sauerlandbombern verteidigt, die in Wahrheit vom CIA versorgt worden sein sollen und dabei erfolgreich von der Terrorliste streichen lassen. War VP01 also im Auftrag des Staates auf der Suche nach einem Terroristen?

Die Berliner Morgenpost und Kontraste haben recherchiert und einen Aktenvermerk des Chefs des NRW-Verfassungsschutzes gefunden. Dort machte ein Anhänger der Abu Walaa-Gruppe über VP01 nämlich die Angabe: „ … dass die mutmaßliche VP (Vertrauensperson) in einem Vier-Augen-Gespräch erklärt habe, nach einem zuverlässigen Mann für einen Anschlag mit einem LKW zu suchen.“

Das bedeutet also: Die von Steuergeldern finanzierte Vertrauensperson VP01 des LKAs sucht nach Männern, die einen Anschlag mit einem LKW durchführen. Die Person stachelt dabei eine ganze Reihe an Anhängern an, aber alle lehnen ab und verpfeifen ihrerseits VP01 über ihre Anwälte. Hat VP01 dann in Amis Amri seinen Strohmann gefunden, der es durchzog? Die Vermutung liegt nahe, denn Kontraste liegen auch noch Behördenakten vor, dass VP01 bereits im Frühjahr mit Amis Amri in Kontakt war. Wusste sein Auftraggeber, das LKA aus NRW davon, dass VP01 Amis Amri mit einem LKW in den Breitscheidplatz fahren und Menschen töten lassen wollte? Das sagt der Kontraste-Bericht aus:

VP01 habe, so Kontraste, in einem Verfahren bereits ausgesagt: „…dass wir (…) besprochen haben, Anschläge in Deutschland zu verüben, falls das mit der Ausreise nicht klappen sollte“ und dass er sich „absprachegemäß immer als „anschlagsbereit“ dargestellt“ habe und von der Polizei „den Auftrag hatte, mich so zu positionieren, dass ich von Leuten, die möglicherweise Anschläge planen miteinbezogen werde, um an Informationen zu gelangen.“

Abgezogen wurde nach diesen Aussagen weder VP01 noch Amis Amri. Das LKA hätte also nicht nur vor Wochen einen Verhaftungsgrund für Amis Amri gehabt, es hätte auch noch genau gewusst, was er vor hatte. Statt dessen fand aber der Angriff ungehindert statt, 12 Menschen starben und problematische Behördenakten dazu wurden vom Kommissariat gefälscht.

Was folgte waren neben dem vielen Leid, Kriegsparolen, ein Erstarken von rechten Kräften, problematischer Gesetzesgebungen und letztlich womöglich radikal falsch interpretiertem Terrorismus. Der Schaden ist in jederlei Hinsicht enorm. Amis Amri kann nicht mehr befragt werden. Der wurde kurz danach von den italienischen Behörden erschossen. Aber interessiert es heute noch jemanden? Nein, natürlich nicht. Thema war es mal, ist es aber jetzt keines mehr. Die wenigen Artikel, die die neuen Erkenntnisse von Kontraste aufgreifen, werden meist von engstirnigen Lesern als lächerliches Hirngespinst wegkommentiert, die sich schwarzweiß-malerisch scheinbar lediglich einen bösen IS und einen gute Geheimdienste vorstellen können und zu einer differenzierten Meinung, in welchem Spannungsfeld sich das ganze Thema mittlerweile tatsächlich bewegt, nicht mehr fähig sind.

(Klicken für Kontraste-Beitrag)

Man muss nicht glauben, was Kontraste und Berliner Morgenpost behaupten. Man kann auch weiterhin glauben, dass alle Terrorprobleme nur von eingereisten Migranten herstammen und niemals von westlichen Regierungen. Reine Hypothesen sind bis zur endgültigen Beweiserbringung für mich beides. Aber wer Staatsterrorismus nach all diesen Vorwürfen -und das reicht von bewiesenen Fällen wie Gladio oder Celler Loch über Sauerland und NSU bis eben dem IS- immer noch für eine wirre Verschwörungstheorie ohne jegliche Glaubwürdigkeit hält oder die Anzeichen dafür einfach kommentarlos ignoriert und Antworten der Behörden kritiklos hinnimmt, der handelt in meinen Augen schlicht unverantwortlich für sich und unsere Zukunft.

Stimmen die Anschuldigungen von Kontraste -und es gibt bislang wenig Gründe dafür, warum sie so radikal lügen sollten- dann muss man auch klar aussprechen, was das bedeuten würde: Das LKA hat wissentlich und durch Zuarbeit eines eigenen Angestellten, den Terroranschlag in Berlin zugelassen und mit zu verantworten. Und selbst wenn am Ende alles aus purer Dummheit und Faulheit entstanden sein sollte, auch dann ist die Mitverantwortung durch den unkontrollierten Einsatzes eines staatlich bezahlten Aufwieglers nicht minder einzuschätzen. Und ja, dann ist der Staat schlicht auch mitverantwortlich für den Terror, den er mitverursacht hat.

Und das, in meinem Wortschatz, heißt nun mal Staatsterrorismus.

Megaroom

Eintrag vom: 22.10.2017 | von: Basti | in: Artikel

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Hier mal meine kleine Bewertung zum Escape-Raum-Anbieter „Megaroom“ in München, die man auch auf Tripadvisor findet, der einige 5-Sterne und einige 1-Stern-Bewertungen hat:

Polarisierende Meinungen zu Megaroom bei Tripadvisor. Was stimmt nun? 5 Sterne sind zweifelsohne zu viel, 1 Stern stimmt aber vermutlich auch nicht, dafür hab ich -auch in München- schon schlechtere Spiele gespielt. Meine Meinung bezieht sich auf den bizzaren Boss.

Das Gute: Große Location, ordentlich designt, sehr motiviertes Team, die thematischen Ideen sind eigentlich spannend, der Raum ist unterteilt in mehreren Einheiten, es gibt tatsächlich eine kleine Geschichte dahinter und nicht nur reine Rätselketten

Mittelmäßig: Sehr schloßorientiert, obwohl Escape Games heute eigentlich nahezu alle versuchen, auf Schlößer zu verzichten. Die Einrichtungsqualität ist unterdurchschnittlich, war für mich aber kein Problem, da ich auch mit einem Independent-Look gut leben kann, wenn der Spielspaß stimmt.

Schlecht: Leider das Gameplay. Wir waren leider alle sechs der Meinung, dass sich unser Raum nicht an die elementarsten Grundregeln von Flow und Spielmechanik hält. Dass unfaire Spielmethoden, fehlende Spielerführung und eine hohe Abhängigkeit von einer externen Spielhilfe (Game-Master) auch zu einer hohen negativen emotionalen Erfahrung mit Frustpotential führt, lernt man quasi im ersten Semester Spieldesign. Leider tappt Megaroom da in alle Fettnäpfchen die ich kenne.

Beispiel für so eine Unfairness: Wir musste einen Raum absuchen nach einem Hinweis, der bei Tageslicht faktisch kaum zu sehen ist. Der Raum ist aber nicht verdunkelbar und bei unserem Termin knallte die Sonne komplett durch die Fenster. Einige Spieler konnten den kompletten Hinweis wegen ihrer Körpergröße gar nicht erkennen, so dass nur die großen unter uns überhaupt eine Chance hatten, ihn zu lesen. Es gibt zwar diesbezüglich eine kleine Hilfe, wo ein Hinweis versteckt sein könnte, er ist aber nicht deutlich genug, da die Hilfe nicht klar macht, welcher Hinweis gemeint ist und mit welchem Gadget er kombiniert werden muss – effektiv ist die Hilfe daher auch noch kontraproduktiv, weil sie verwirrt anstatt führt.

Das ist frustrierend, denn schon mit ein wenig mehr Spielerführung und geschickt eingespielten (internen, nicht externen!) Hinweisen würden diese Frustmomente nicht auftreten. Unserem Hinweis auf die Probleme wurde entgegnet, dass das schon bewusst schwierig, eben „bizzar“, sein soll.

Dem Anbieter würde ich raten, sich die (konstruktive) Kritik seiner Spieler genau anzuhören und die Probleme zu verbessern. Ich frage mich auch ernsthaft, wie lange Megaroom die Räume beta getestet hat – allzu ausführlich kann das nicht gewesen sein, denn die Fehler wären garantiert aufgefallen. So unterscheiden sich aber erfolgreiche Anbieter von den uneinsichtigen (zum Trost: Solche Fehler hab ich bei allen Anbietern im Betatest-Stadium schon gesehen, es ist die Frage, ob man darauf reagiert).

Man muss MIT den Spielern spielen, nicht GEGEN sie. Der Spieler muss mit einem strahlenden Lächeln aus dem Raum kommen. Beim bizzaren Boss klappt das zumindest bei uns nicht.

Werde ich nochmal reingehen? Ja, ich schau mir auch die anderen beiden Räume noch an. Zu denen hab ich noch keine Meinung. Lohnt sich der Boss für andere? Das hängt vom Spieltyp ab. Wer sich auch mal auf ein (noch?) unausgewogenes Design einlassen möchte und daraus sogar ein gewisses Vergnügen zieht, für den ist es vielleicht auch mal ein spannendes Erlebnis. Einsteigern in die Thematik würde ich es nicht empfehlen, zu groß ist die Gefahr, dass man sich am Ende wie der letzte Depp vorkommt und glaubt, das wilde Herumraten, wie es nun gemeint ist, gehört sich so. Das tut es eben gerade nicht. 😉

Psychose – das Horror-Live-Game von OneHourLeft im Test

Eintrag vom: 22.09.2017 | von: Basti | in: Artikel, Games

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Eine Audiokassette, eine enge, kleine Psychiaterpraxis und ein Kassettenrekorder. So beginnt die Geschichte in „Psychose“. Was sich wie das Intro eines Horroradventures anhören könnte ist tatsächlich echt – aber nicht weniger Horror. Der zweite Exit-Room von OneHourLeft (den ersten haben wir hier getestet) ist damit zwar nichts für schwache Nerven – aber durchaus etwas für Fans von Adventurespielen, denn selten war ein Live-Game-Erlebnis so narrativ wie hier.

Mir hat’s echt gut gefallen und ich finde, das Team hat aus Gamedesign-Sicht echt einen guten Job gemacht. Deswegen habe ich die Leute (davor) auch gleich mal interviewt. Schaut doch mal rein…

… oder lest den Testbericht, den es ebenfalls noch gibt und noch ein paar weitere Details verrät!

obike – Erste Testfahrt in München

Eintrag vom: 12.09.2017 | von: Basti | in: Artikel

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Der Bikesharer Obike ist in letzter Zeit ein riesiger Aufreger in München. Als Sharing-Nutzer kann ich die Aufregung nicht verstehen.

Da heißt es, die Räder verschandeln „unsere Stadt“. Zahlreiche obikes sollen schon aufgeschlitzt und in großem Stil aus Frust umgeschmissen worden sein. Allein deswegen sehe ich die Debatte schon als vergiftet an. Eigentlich sollte man ein System, dass für weniger Abgase und Treibhausgase sorgt, doch eher begrüßen und nicht dafür sorgen, dass nigelnagelneues Eigentum mutwillig zerstört wird. Dass man sich über Farben streiten kann, ist zwar richtig – aber das sind eben Geschmacksfragen. Manche mögen blau nicht und für die sind dann die MVG-Räder ebenso ein Dorn im Auge.

Weiterer Knackpunkt: obike sammelt Daten. Das stimmt. Andererseits steht es jedem selbst frei, welche privaten Anbieter er nutzt oder nicht. Einen Unterschied zu den Profilen die ein Google oder Facebook erstellen, ist kaum erkennbar. Auch jedes Handy kann GPS-Profile nach Hause funken.

Und dann gibt es da noch das Argument, sie nähmen viel zu viel Platz weg, das Abstellen an der Straßenseite sei illegal, die Werbung auf den obikes sowieso. Da fragt man sich schon echt, wer sich diese Argumente ausgedacht hat. Jemand, der den Markt kennt jedenfalls nicht. Denn Bikesharing gibt es in München schon seit langem. Die Einführung der MVG-Räder wurde damals groß begrüßt und gegen Marktführer Call-a-Bike hat sich noch nie jemand wirklich aufgeregt.

Es stellt sich also wenn dann überhaupt die Frage, ob man Bikesharing in der Landeshauptstadt will oder nicht – es spielt gar keine Rolle, ob es nun obike, MVG oder Call-a-Bike ist. Die sind vom System her nahezu eh alle identisch.

Das Platzargument ist das dabei hinrissigste, denn jedes private Rad, dass man abstellt, nimmt mehr Platz weg. Sharebikes sind immerhin dauernd in Bewegung. Ein Call-a-Bike steht stelten länger als eine Nacht am selben Fleck. Ein geparktes Privatrad dagegen oftmals Tage. Manchmal werden sie nie mehr abgeholt. Wie man die neuen obikes als „Müll“ aber die tausenden an abgestellten, verrosteten Privaträder nicht als Müll bezeichnen kann, erschließt sich mir nicht. Von geparkten Autos mal ganz zu schweigen. Auf manchen Parkplatzflächen kann man sicherlich an die 10 obikes parken, während der Privatwagen im schlimmsten Fall tagelang die Straßeseite blockiert – von vielen Verkehrsexperten wurde diese „Privatisierung des Staatsgrundes“ schon manchmal als Hauptproblem der Verkehrssystem der Zukunft deklariert.

Man muss nicht diese Meinung vertreten, aber eins steht doch „unumstößlich“ fest: Sharing-System sorgen für deutlich mehr Platz in der Stadt, weil Privateigentum nicht mehr abgestellt wird. obikes bewirken also genau das Gegenteil von dem, was ihnen vorgeworfen wird. Das einzige, was das System von den Mitbewerbern unterschieden hat, war der unfassbar schnelle Rollout von mehreren tausend Rädern über Nacht. Das einzige, was nun passieren muss, ist, dass sie genutzt werden und sich die Räderpulks damit besser in der Stadt verteilen – so wie bei den anderen stationslosen Systemen auch.

Und wenn dies nicht der Fall sein sollte? Was, wenn die obikes tatsächlich wie „Müll“ rumstehen, also wie viele andere private und ungenutzte Räder? Na, es wäre nicht das erste Mal, dass ein Anbieter sich aus München dann wieder zurückzieht. Denn Sharebikes, die nicht dauerhaft in Bewegung sind, verdienen kein Geld. Das Problem, dass hier sommerlochartig beschrieben wird, ist also eigentlich keines und löst sich im schlimmsten Fall von selbst.

Lohnt sich nun die Nutzung von obike? Heute kann man sie gratis ausprobieren und ich habe es getan:

Summa Summarum – Die Bikes sind zwar ordentlich verarbeitet und die App funktioniert gut und schnell, es gibt aber ein paar Einschränkungen:

Der Verschlussmechanismus funktioniert nicht wie bei Call-a-Bike via Kommunikation mit dem Internet sondern via Bluetooth. Wer das Rad verschließen will und sein Handy hat keinen Akku mehr, schaut in die Röhre und bezahlt erst mal. Das gleiche gilt, wer zu schnell sein Rad verlässt, bevor der Verschluss vom Rad via Bluetooth an die App gemeldet wurde. Ohne App geht ohnehin gar nichts. Call-a-Bike ist hingegen völlig App unabhängig. Da kann man sogar via Telefonanruf ausleihen und ein Zuziehen des Schlosses beendet die Fahrt auch ohne eingeschaltetes Handy.

Preislich lohnen sich die Bikes nur für Wenignutzer. Sie liegen mit 1 € pro halber Stunde gleich auf mit dem Standardtarif von Call-a-Bike, haben aber keine Monatsgebühr. Wer nur ganz selten ganz kurze Strecken fährt kann mit dem MVG-Rad sogar besser dran sein, dort gilt ein Minutenpreis. Bei Intensivnutzern haben beide Konkurrenten hingegen deutlich die Nase vorn. Zum Preis von 36 bis 49 € pro Jahr (je nachdem, ob man Abokunde ist, ne Bahncard hat oder eben nicht) fährt man bei Call-a-Bike und MVG 30 Minuten lang kostenlos. Das reicht für nahezu jede Fahrt in der Stadt. Schließt man das Rad ab und fährt später mit einem anderen weiter, gelten diese 30 Freiminuten erneut. Quasi Flatrate-Radln. Außerdem muss bei diesen Systemen keine Kaution hinterlegt werden. Wer also im Jahr mindestens so viel fährt wie der Jahrespreis der Flatrate der Mitbewerber, kommt dort günstiger weg (und radelt ab dann quasi gratis).

Das größte Manko: Die Räder haben nur einen Gang und fahren sich damit wirklich mies. Ich kann mir eh nicht vorstellen, dass man damit länger als 30 Minuten fahren möchte. Auch der Korb ist relativ klein. Kein Vergleich zu den dann doch recht luxuriösen Call-a-Bikes samt Spanngurtsystem. Für mich ist obike damit keine Alternative.

Zwei Vorteile gibt es aber:

Zum einen die schiere Menge an Rädern. Dort wird es jetzt darauf ankommen, wie gut die sich im Stadtgebiet verteilen, damit man immer überall eines findet. Call-a-Bike will aber scheinbar bereits aufstocken. Mal schauen, ob es dann wieder einen Aufschrei gibt.

Zum anderen das größere Stadtgebiet. Call-a-Bike limitiert Fahrten immer noch mit dem mittleren Ring. Der Flaucher fällt dort also z.B. raus.

 

Wer möchte kann heute obike noch kostenlos testen. Jede Fahrt mit der App ist gratis. Danke an Stefan für den Tipp!

Übrigens: Als ich heute meine Testfahrt beenden und das Fahrrad abstellen wollte, bin ich übrigens natürlich sofort angepflaumt worden, dass das Rad im Weg stünde. Das ist mir mit Call-a-Bike noch nie passiert. 🙁